Sündenvergebung in der hl. Beichte

In der heilige Beichte wartet Gottes unendliche Barmherzigkeit auf uns, um uns wieder in die Arme zu schließen.

Christus hat dieses Sakrament eingesetzt, als er seinen Aposteln die Sündenvergebungsgewalt übertrug mit den Worten: "Empfanget den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden nachlasset, dem sind sie nachgelassen; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten" (Joh 20, 22 f).

Gott hat die Sündenvergebung nicht deshalb an das Sündenbekenntnis geknüpft, weil er es uns unnötig schwer machen wollte, sondern weil er unserer Natur entgegenkommen wollte:

1. Die Gnade ist für uns nicht wahrnehmbar. Damit wir wissen, dass wir sie empfangen, hat Gott sie an Zeichen geknüpft. Das sind die Sakramente: Zeichen, die die Gnade versinnbilden und bewirken. Wenn wir die Lossprechung des Priesters empfangen, dürfen wir sicher sein, dass Gott uns vergeben hat, und wir können mit heiligen Paulus sprechen: "Ich vergesse das, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt" (Phil 3,13).
Ohne die heilige Beichte wissen wir nicht, wann Gott uns vergeben hat und wir uns nicht mehr über die Sünden grämen müssen.

2. Gott ist Mensch geworden. Das bedeutet unter anderem, dass Gott für uns sichtbar geworden ist. In Jesus Christus ist die Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen. Wenn nun Christus, die Quelle aller Gnaden, sichtbar ist, dann liegt es ganz auf der Linie der göttlichen Heilspädagogik, dass er auch die Gnadenspendung in den Sakramenten sichtbar werden lässt.

3. Jede Sünde ist nicht nur gegen Gott gerichtet, sondern auch gegen die Kirche. Denn die Kirche ist der mystische Leib Jesu Christi, an dem wir Glieder sind. Wenn ein Glied leidet, leidet alle anderen Glieder mit. Das bedeutet auch, dass durch jede Sünde das übernatürliche Gnadenleben der Kirche geschwächt wird. Deshalb soll die Sünde auch vor der Kirche bekannt werden. Der Priester, der die Beichte entgegennimmt, ist gleichzeitig Repräsentant Christi und Repräsentant der Kirche.

4. Die Sünde zu bekennen entspricht einem psychologischen Bedürfnis. Wenn wir sie aussprechen, distanzieren wir uns von ihr. Es ist gleichzeitig ein Akt der Wahrhaftigkeit. Wir stehen zu unserer Verantwortung und widerstehen der Versuchung, die Schuld zu verdrängen. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat dies erkannt und schreibt:
"Sünde will unerkannt bleiben. Sie scheut das Licht. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie das ganze Wesen des Menschen. Das kann mitten in der frommen Gemeinschaft geschehen. In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein... Indem das Sündenbekenntnis im Angesicht des christlichen Bruders geschieht, wird die letzte Festung der Selbstrechtfertigung preisgegeben. Der Sünder liefert sich aus, er gibt all sein Böses hin, er gibt sein Herz Gott, und er findet Vergebung aller seiner Sünden in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders. Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren. Sie ist als Sünde offenbar geworden und gerichtet."

Voraussetzung für eine gültige Beichte ist die Reue über die Sünden (also der Schmerz darüber, dass man sie begangen hat, und die Abkehr des Willens von ihr) und der Vorsatz, sie in Zukunft nach Kräften zu meiden. Beim Bekenntnis darf man keine schwere Sünde mit Absicht verschweigen. Dadurch wird die Beichte ungültig, nicht aber dadurch, dass man eine Sünde vergisst.

Es gab immer wieder besonders begnadete, heilige Priester, die die Seelenschau hatten, also in den Gewissen lesen konnte. Einer davon war der hl. Johannes Maria Vianney, der Pfarrer von Ars. Die Zeugnisse darüber sind unzählig. Ein Beispiel sei herausgegriffen:

Im Jahre 1853 brache eine fröhliche Gesellschaft aus Lyon nach Ars auf. Sie waren alle gute Christen bis auf einen Greis, der nur mitgegangen war, um den jungen Leuten Spass zu machen. Gegen drei Uhr nachmittags kommen sie im Dorf an. "Geht ihr in die Kirche, wenn ihr wollt," rief der Ungläubige beim Verlassen des Wagens, "ich bestelle das Essen." Er macht einige Schritte, bleibt stehen. "Zum Donner, ich bedenk mich anders," fährt er fort, "und gehe mit euch. Es wird ja keine Ewigkeit dauern!" So betritt die ganze Gesellschaft die Kirche. Im selben Augenblick verlässt Vianney die Sakristei und geht in den Chor. Er kniet hin, steht auf, wendet sich um. Sein Blick sucht jemanden in der Richtung des Weihwasserbeckens. Dann winkt er. "Er ruft Sie," sagt man dem verdutzten Ungläubigen. Ganz verlegen schreitet dieser vor. Der Pfarrer sch�ttelt ihm die Hand:
"Es ist schon lange her, dass Sie nicht mehr gebeichtet haben?"
"Mein guter Herr Pfarrer, so etwa drei�ig Jahre, denke ich."
"Dreißig, lieber Freund? Besinnen Sie sich genau! Es sind dreiundrei�ig. Sie waren damals da und da..."
"Sie haben recht, Herr Pfarrer."
"Dann beichten Sie heute, nicht wahr?"
Der Mann gestand später, dass er sich bei dieser Aufforderung so betroffen fühlte, dass er sich nicht zu weigern traute. "Aber," fügte er bei, "ich empfand sofort eine unbeschreibliche Freude." Die Beichte dauerte etwas zwanzig Minuten und wandelte den Mann völlig um.

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